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Here is another on, critical more, from Niggemann Germany: Martin Lokander fiel mir zuerst 2011 beim Czech Open in Pardubice auf. Mit damals 2044 Elo verdarb er einigen Titelträgern das Turnier. Mittlerweile ist er Fidemeister und bringt eine Elo von 2358 auf die Waage. Zudem hat er bei Everyman Chess jetzt sein erstes Schachbuch mit dem Titel "the Open Games with Black" veröffentlicht. Dies zeugt von gewissem Mut, da sich die meisten Fidemeister, die auf dem Büchermarkt aktiv werden wollen, einen Großmeister an Land ziehen, dessen Name mit dem ihren auf dem Cover prangt, damit die Qualität dessen nicht angezweifelt wird. Ich selbst bin auch nur Internationaler Meister, aber sollte nach der vorherrschenden Meinung wohl zumindest noch ein wenig besser als Autor geeignet sein als ein Fidemeister, was natürlich Quatsch ist. Ich kenne einige Fidemeister, die im Eröffnungsbereich bärig stark sind, aber danach viele Chancen vergeben, während ich zum Beispiel von Eröffnungen eher im allgemeinen Sinne Ahnung habe. In dem Buch werden die offenen Spiele nach 1.e4 e5 abgehandelt. Dabei fehlt allerdings die Spanische Eröffnung, was verständlich ist. Ansonsten wäre das Buch nämlich sicher doppelt so dick geworden. Warum aber sollte man dieses Buch kaufen, wo doch gerade in diesem Eröffnungsbereich mit Büchern von GM Bologan, GM Davies, GM Emms und anderen einige starke Vorlagen vorhanden sind? Die Antwort ist relativ einfach. Nach 1.e4 e5 gibt es soviele Möglichkeiten, dass man all die genannten Bücher besitzen und in diesem doch neues entdecken kann. Sehr gut gefällt mir dabei, dass sich der Autor darum bemüht, ausgetretene Pfade zu vermeiden und unbekanntere Ideen mit viel Potential aufzeigt. Als Beispiel gebe ich meine alte "Remiswaffe", das Schottische Vierspringerspiel, an. Nach den Anfangszügen 1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Sc3 Sf6 4.d4 exd4 5.Sxd4 Lb4 6.Sxc6 bxc6 7.Ld3 0-0 8.0-0 d5 9.exd5 cxd5 10.Lg5 ist hier c6 der absolute Hauptzug, mit dem man aber schwerlich gegen einen erfahrenen Weißspieler gewinnen wird. Der Autor hingegegen votiert für 10. ...Le6, der wegen 11.Sb5 als ungenau gilt, zeigt hier aber lockeren Ausgleich auf, bei dem Schwarz gutes Gegenspiel besitzt. Gegen die Schottische Eröffnung empfiehlt er nach 1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.d4 exd4 4.Sxd4 das kämpferische Sf6 und auch gegen Italienisch strebt Schwarz nach 1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lc4 mit Sf6 nach schnellem Gegenspiel. Dabei werden auch Modeerscheinungen der letzten Zeit beachtet. Die Empfehlungen erscheinen mir sehr gut geeignet und einige konnte ich schon mit Erfolg im Blitzschach ausprobieren. Ein Problem habe ich eher mit der Didaktik. Auch aufgrund der Fülle an verschiedenen möglichen Systemen, die nach 1.e4 e5 auf das Brett kommen können, ist es wichtig, dass man das wesentliche aufzeigt. Dazu gehören natürlich auch häufige weniger gute Züge bzw. Fehler des Gegners. In diesem Bereich ist das Buch leider etwas schwach. Auch hier gebe ich ein Beispiel. Im empfohlenen Zweispringerspiel im Nachzug nach 1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lc4 Sf6 5.Sg5 d5 6.exd5 Sa5 7.Lb5+ c6 8.dxc6 bxc6 9.Le2 h6 10.Sf3 e4 11.Se5 wird Lc5 empfohlen. Der Zug droht Dd4 mit der Doppeldrohung gegen f2 und e5. Nun wird nur 12.c3 angeben und damit kommentiert, dass der Zug mehr oder weniger notwendig ist. Laut der Megabase 2015 wurde 51mal die kurze Rochade gespielt und es wäre nicht schwer gewesen, diesen natürlichen Zug kurz zu würdigen. Am Brett würde ich nach 12.0-0 Dd6 13.Sg4 Lxg4 14.Lxg4 h5 mit der Idee 15.Le2 Sg4 16.g3 Sxh2 mit durchschlagendem Angriff nach Kxh2 h4 nämlich nicht finden. Hier versucht der Autor zu sehr, nur die kritischen Varianten zu klären und überlegt gar nicht, welche natürlichen, aber weniger guten Züge Leute spielen würden, die theoretisch nicht so bewandert sind. Dadurch muss der Leser bestimmte Varianten immer wieder selbst prüfen, was auf Dauer störend wirkt. Sehr gut ist hingegen, dass er erklärt, warum er welche Nebenvariante den Hauptabspielen vorzieht und dies sehr gut mit kurzen Varianten belegt. Insgesamt ist das Repertoire in den Hauptvarianten wirklich top und gibt Schwarz stets Stellungen, in denen er auf Gewinn spielen kann. Ich würde mir wünschen, dass Martin Lokander noch ein Buch gegen die Spanische Eröffnung mit einem aber weiterentwickelten Stil schreiben darf. IM Dirk Schuh
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